Katalog
seismic energy

Nikola Lutz - electronics, composition
sampled voices - Hede Beck, Robert Atzlinger

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Seismic Energy

1
Gier. Schlund. Jetzt musst du es schlucken. Es kommt nah zu mir herunter. Du musst mich jetzt anschauen. Horch mir zu. Mein Körper verzerrt dich. Ich will dich zudecken. Mit mir zudecken. Das ist unser Geheimnis. Du wirst es niemals verraten. Magst du ein neues Fahrrad haben? Ich liebe dich. Nein, viel mehr noch – ich bin der einzige, der dich jemals wirklich lieben wird. Iss jetzt. Ich bin so aufgeregt. Aus all seinen Poren kommen Flüssigkeiten. Schluck jetzt. Schneller. Ich schlucke. Höre nicht mehr auf. Ich werde dich mit Haut und Haaren verschlingen, das ist meine Waffe. Kraftvoll verbeiße ich mich in dich. Jetzt gehörst du mir. Das ist mein Geheimnis. Du kommst wieder über mich. Das Spiel ist längst außer Kontrolle geraten. Deine Augen sind leer. Ich verzerre dich, manisch, da ist sie wieder die Gier. Schon habe ich dich deiner Kontrolle beraubt, bevor du sie überhaupt hattest...


2
Erschütterungen. Risse durch die Landschaft unserer kollektiven Körper. Jemand beschließt ihn zu öffnen. Worauf stoßen wir - auf Wörter. In aller Präzision. Die Fräse schneidet den Ton. Doch dieser transportunfähig. Die Sprache schlägt zurück. Das Lager ist mitten in uns aufgeschlagen. Wir ruhen darauf. Wie Kinder denken wir uns nichts, Parasiten der eigenen Wärterbücher aus vergangenen Tagen, Wörterbücher in unseren Regalen. Wir öffnen den Körper, emotionslos, hämmern, schneiden, feilen an unseren Ergebnissen, Auswürfen, Auslassungen. Nicht dass das Lager sich in uns schleichen müsste, nein, es ist einfach wieder da, als wäre es nie weg gewesen. Wahrlich, wir sind genesen. Das Beben hat uns die Augen geöffnet. Heimatschutz, nie hätten wir es besser ausdrücken können. Endlich können wir uns wieder entspannen. Das Beben hat unsere Scheingefechte einstürzen lassen, das Stammeln ist unser Adäquat. Die Operationen nehmen ihren Lauf…


3
Obsessionen. Unsere Sammelleidenschaft. Wir jagen. Unsere Leidenschaft verdrängt unsere Selbste. Dein fragmentierter Körper, deine Zunge, dein Schwanz. Zunge. Schwanz. Lecken. Kein Mensch mehr, sondern eine Nase. Jemand will es wild, jemand will es, jemand will. Wille. Du bist wie eine Maschine, eine Schleuder, David gegen Goliath. Doch wir entfernen uns, die Distanz wächst, der Raum verengt sich, damit der Blick, Blick des Begehrens. Du wiederholst deine Obsessionen, machst dir wohlgefällige Schlaufen. Die Wörter trommeln in deinem Kopf, strecken dich nieder. Du liebst es. Wie ein Platzregen gegen deinen Körper, oder doch nur gegen deine Box. Alles ist ganz bei dir, der Sturm umhüllt dich, du brauchst keinen eigenen Platz mehr…

Marti Huber


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